Prof. Anna Boncompagni, University of California, Irvine Vortrag und Workshops
Am 07. sowie 08. Juli 2026 wird die 14. „William James Scholar in Residence“-Veranstaltungsreihe stattfinden, organisiert und ausgereichtet vom William-James-Center der Universität Potsdam. Prof. Dr. Anna Boncompagni wird am ersten der beiden Tage zunächst von 10 bis 12 Uhr einen Workshop zum Thema „Sense and common sense in William James“ durchführen sowie abends ab 18 Uhr einen Vortrag mit dem Titel „Pragmatism in verificationism. William James and the Vienna Circle revisited“ halten. Letzterer wird zusätzlich auch via Zoom übertragen. Hieran schließt sich am nächsten Tag um 10 Uhr ein abschließender Workshop zum Thema „James and Wittgenstein“ an. Stattfinden wird diese Veranstaltungsreihe am von Logi Gunnarsson geleiteten William-James-Center der Universität Potsdam. Weitere Informationen bzw. eine Übersicht zum Programm erhalten Sie unter diesem Link bzw. auf der Website des William-James-Centers.
Bitte melden Sie sich für die Workshops unter folgender E-Mail-Adresse an: william-james-center[at]uni-potsdam.de
Die Tagung leistet einen Beitrag zur Wiederentdeckung eines fast vergessenen Denkers der europäischen Moderne. Wilhelm Jerusalem, jüdischer Philosoph, Pädagoge und Soziologe, verstand Philosophie als wissenschaftliche Praxis mit gesellschaftlicher Verantwortung. Als Vermittler des amerikanischen Pragmatismus und Begründer einer deutschsprachigen Variante gilt er zu Recht als der „deutsche James“. Sein Konzept einer wissenschaftlichen Philosophie verband empirische Forschung mit sozialer Reform und wies der Erkenntnistheorie eine kollektive, historische und ethische Dimension zu. Die Tagung zeigt, wie Jerusalems Denken zwischen Wien, Paris und den USA wirkte und wie seine Idee einer Philosophie im Dienst der Gesellschaft heute neue Aktualität gewinnt.
Vor dem Hintergrund eines verstärkten, kriseninduzierten Bewusstseins für die ökologischen Dimensionen menschlichen Daseins zielt die Tagung darauf, neue Perspektiven auf die Verhältnisse zwischen unterschiedlichen Lebewesen zu gewinnen. Sie widmet sich damit einer „ökologischen“ Themenstellung im weitesten Sinn, nämlich dem oikos, in dem und durch den Leben möglich ist.
Es ist keine neue Einsicht, dass klassische Dichotomien wie die von „Natur-Kultur“ oder von „Körper-Geist“ nicht nur in epistemischen Hinsichten zu zahlreichen Problemen führen; es ist jedoch von aktueller Signifikanz, dass sie erhebliche Konsequenzen für das Handeln in der Umwelt haben. Einerseits geraten diese Dichotomien, insbesondere wenn sie als Dualismen auftreten, immer wieder in die Kritik, andererseits lässt sich beobachten, dass sich Varianten dieser Dichotomien (NaturTechnik, ökologisch-sozial, Wildnis-Zivilisation, Mensch-Tier usf.) im öffentlichen Bewusstsein als bemerkenswert widerständig erweisen. Sie scheinen sich also in ihren Varianten zu überleben, ohne dadurch sachlich an Legitimität zu gewinnen.
Neben der begrifflich grundlegenden Arbeit an diesen klassischen Problembeständen lohnt es sich, den Zwischenraum konkreter Beziehungen zu studieren. Dabei stehen weniger Abstrakta wie „Tier“ oder „Natur“ im Zentrum, sondern das, was zwischen Arten geschieht, also die Diversität konkreter Beziehungsarten, die die Interaktion mit anderen Lebewesen strukturieren. Sei es mit Blick auf konkrete Tierindividuen, -arten oder -gruppen oder auch auf konkrete Ökosysteme, Pflanzen oder andere „Spezies“.
Die Bearbeitung dieser weitgefächerten Thematik soll auf der Tagung insbesondere aus pragmatistischen und phänomenologischen Perspektiven vorgenommen werden. Im Hintergrund steht dabei die Überzeugung, dass trotz ihrer Unterschiedlichkeit beide Denkrichtungen wichtige Instrumente bereitstellen, um neue Impulse für eine alte Debatte zu liefern. Man denke etwa an die Stoßrichtungen in der jeweiligen Zurückweisung des Cartesianismus. Sie bieten jedenfalls einen guten Ausgangspunkt, um ein verflochtenes Verständnis menschlichen Lebens in Beziehung zu anderen species zu gewinnen. Und darin besteht letztlich eine wichtige Voraussetzung für eine zeitgemäße Ethik, die nicht einem top-down-Modell ethischer Rationalität verhaftet bleiben möchte, sondern sich der kontextsensiblen Arbeit eines bottom-up-Modells verpflichtet weiß. Die Tagung will einen Beitrag zur Klärung dieser Voraussetzung erbringen.
Als Keynotespeaker konnten Corine Pelluchon (Paris), Mara-Daria Cojocaru (München) und Eva Meijer (Amsterdam) gewonnen werden. Organisiert wird die Tagung von Christoph Seibert und Michel Steinfeld. Interessierte sind herzlich eingeladen, mit einem Vortrag zur Gestaltung der Tagung beizutragen. Schicken Sie hierzu bis zum 30. April 2026 eine Vortragsskizze (ca. 3000 Zeichen) sowie eine Kurzvita auf Deutsch oder Englisch an christoph.seibert@uni-hamburg.de und michel.steinfeld@uni-hamburg.de. Falls Sie ohne einen Beitrag an der Tagung teilnehmen möchten, bitten wir aus organisatorischen Gründen um eine informelle Anmeldung per Mail bis zum 31.08.2026.