2025

Fulda, Hans Friedrich (2025): Der logische Pragmatismus von Peirce. Hrsg. und eingeleitet von Brigitte Falkenburg. Frankfurt: Klostermann.

„Wenn man wie der Verfasser jahrelang in den Bahnen des deutschen Idealismus gedacht hat, so will man wissen, wie es mit dem Verhältnis von Theorie und praktischem Verhalten im Allgemeinen steht. Hierüber geben die modernen, instrumentalistischen Versionen des Empirismus keine befriedigende Auskunft. Worauf geht die Erkenntnis letzten Endes aus? Hat sie ihr eigenes Ziel und im Verhältnis dazu ihre eigene Gültigkeit? Oder ist ihr Ziel bestenfalls eine Setzung praktischer Vernunft, schlimmstenfalls das Rätsel eines blinden Lebensschicksals? Wenn man es nicht vorzieht, diese Fragen durch einen hinlänglich reduzierten Begriff von Philosophie überflüssig zu machen, so kann man sich für sie im Umkreis des Pragmatismus keinen besseren Rat holen als bei Peirce.“ Hans Friedrich Fulda arbeitet in seiner Habilitationsschrift von 1969 die Erkenntnislogik des späten Peirce heraus. Dabei grenzt er sich scharf gegen instrumentalistisch geprägte und transzendentallogische Peirce-Deutungen ab, wie sie Habermas und Apel vertraten. Die Schrift wird hier erstmals publiziert, ergänzt durch die beiden einzigen Aufsätze, in denen Fulda auf Peirce zurückkam, und eine Einführung der Herausgeberin.

Lawrence Peter, Reder Michael (2025): Representing Future Generations: Climate Change and the Global Legal Order. Cambridge: Cambridge University Press.

The impact of climate change on young people and future generations has become a key issue globally, and current international law-making processes insufficiently represent the interests of these groups. While ideally the interests of future generations would be mainstreamed, the authors argue that proxy-style mechanisms for representing future generations should urgently be pursued as a parallel strategy. This book analyses existing institutions in the UN which indirectly represent vulnerable groups and uses a novel combination of legal and philosophical methods based in the tradition of John Dewey’s pragmatism and International Legal Realism. Chapters include case studies of climate change cases brought before international courts, tribunals and the UN envoy to demonstrate how representation of future generations can be implemented to bring about institutional reforms. Written in accessible language, it will make a useful reference for researchers, graduate students and policymakers in international environmental law, global environmental governance and environmental philosophy.

Albert, Anika C. ; Brink, Alexander; Hollstein, Bettina; Hübscher, Marc C. (Hg.) (2025): Haltung zeigen – Demokratie stärken. Wirtschafts- und unternehmensethische Perspektiven. Sonderband Zeitschrift für Wirtschaft- und Unternehmensethik. Baden-Baden: Nomos.

Demokratie, so zeigt sich in der gegenwärtigen Lage unmissverständlich, ist kein naturwüchsiger Zustand, keine Selbstverständlichkeit – sie ist das Ergebnis kontinuierlichen Ringens um Teilhabe, Pluralität und Rechtssicherheit. Dieser Sonderband knüpft daran an und versammelt Positionen aus verschiedensten Bereichen der Gesellschaft. Dazu werden zunächst konzeptionelle Überlegungen angestellt, gefolgt von der Frage, was „corporate political responsibility“ praktisch bedeuten kann. Abschließend rückt die Verantwortung gesellschaftlicher Akteure in den Fokus. Die disziplinübergreifenden Beiträge laden Leser:innen aus allen gesellschaftlichen Bereichen zur Auseinandersetzung mit demokratischer Teilhabe – speziell im Bereich der Wirtschaft – ein.

Hollstein, Bettina (2025): Was hält unsere Gesellschaft zusammen? Erfahrungen in einer Suppenküche in Ostdeutschland. Frankfurt/New York: Campus.

Bürgerschaftliches, ehrenamtliches Engagement wird in Politik und Medien einerseits als »Motor der Demokratie« bezeichnet, andererseits wird es als Ausbeutung angeprangert und stattdessen die Schaffung regulärer Arbeitsplätze gefordert. Dabei reden beide Seiten häufig über Engagement und Engagierte. In diesem Band kommen Engagierte einer Suppenküche in Ostdeutschland zu Wort und schildern ihre Situation, die Probleme, die sie bewegen, ihre Erfahrungen und ihre Wünsche. Ihre Erzählungen zeigen, wie bedeutend die Situation und der Raum sind, in welchen das Engagement stattfindet. Bettina Hollstein rekurriert auf Theorien von Hans Joas (Kreativität des Handelns), Hartmut Rosa (Resonanz und Wir-Sinn) und Jane Addams (sympathetic understanding), um ein besseres Verständnis der Rolle von Engagement für den Zusammenhalt der Gesellschaft und die Demokratie zu gewinnen. Das Buch leistet einen Beitrag, Mittel gegen die aktuellen Krisen des Zusammenhalts und der Demokratie zu finden.


Krieger, David J. (2025): Informationeller Pragmatismus. Zur Philosophie der digitalen Transformation. Bielefeld: Transcript Verlag.

Wie entsteht Sinn in einer Welt voller digitaler Technologien? David J. Krieger schlägt eine neue Informationsphilosophie als Grundlage für eine Revision des Pragmatismus vor. Dazu verbindet er ihn mit Systemtheorie, Akteur-Netzwerk-Theorie und Posthumanismus: Sinn entsteht aus normativ geleiteten sozialen Praktiken, Sinn ist eine emergente Ordnungsebene jenseits von Materie und Leben und umfasst alles, was zur Gesellschaft und zur Welt gehört, und an den sozialen Praktiken, die Sinn konstruieren, sind Menschen und Nichtmenschen gleichberechtigt beteiligt. Die Normen, die die sinnkonstituierenden sozialen Praktiken leiten, lassen sich dabei aus den Affordanzen digitaler Technologien ableiten.


Oberthür, Jörg / Hollstein, Bettina (2025) (Hg.): Resonanz und Kritik. Perspektiven auf eine Soziologie der Weltbeziehungen. Berlin: Suhrkamp Verlag.

Hartmut Rosas Resonanztheorie ist einer der gegenwärtig meistdiskutierten Vorschläge, Sozialwissenschaft und Gesellschaftskritik neu zu denken. Denkerinnen und Denker aus verschiedenen Disziplinen setzen sich in diesem Band mit ihr auseinander und wenden sie an: auf Demokratie und Erziehung, auf unseren Umgang mit Natur und auf die Beschleunigung der Krisenentwicklung. Drängende Problemlagen lassen sich mit dieser Theorie der Weltbeziehung in neuem Licht analysieren. Dabei gilt jedoch, was die Theorie selbst über Weltbeziehungen sagt: Es bleibt ein Moment der Unverfügbarkeit. Mit Texten von u. a. Maeve Cooke, Silke van Dyk, Nancy Fraser, Axel Honneth, Martin Mulsow, Andreas Reckwitz, Martin Saar und Charles Taylor.

 


Joas, Hans (2025): Universalismus. Weltherrschaft und Menschheitsethos. Berlin: Suhrkamp Verlag.

Das Wohl aller Menschen bei moralischen und politischen Entscheidungen zu berücksichtigen – das ist heute für viele zumindest als Ideal gerechtfertigt. Aber schon immer gegeben und universell verbreitet ist ein solches Menschheitsethos nicht. Wann und wo ist es also entstanden – und warum eigentlich? Ist es eine Besonderheit der jüdisch-christlichen oder der westlich-aufklärerischen Tradition? Und wie hängt seine Entstehung mit der Geschichte imperialer Weltherrschaft zusammen? In seinem faszinierenden Buch folgt Hans Joas diesem Menschheitsethos in globaler Perspektive. Von der sogenannten „Achsenzeit“ ausgehend, zeichnet er dessen Entstehung in der griechischen Antike, in Judentum und Christentum, in Indien und China nach und betrachtet es im Zusammenhang mit imperialen Reichsbildungen bis hin zum Kolonialismus, Faschismus und Kommunismus. Kann es einen Universalismus ohne Imperialismus überhaupt geben? Und wie steht der Islam zu den achsenzeitlichen Entwürfen eines Menschheitsethos? Joas‘ Antworten auf diese großen Fragen fügen sich zu einem Opus Magnum, mit dem er seine vielbeachteten Arbeiten zur Geschichte von Religion und politischer Macht krönt.


Hansmann, Johannes (2025): Ironie des Schicksals im Einzelnen. Philosophie der Kontingenz bei Marquard und Rorty. (Alber Thesen Philosophie) Baden-Baden: Verlag Karl Alber.

Wir leben in Zeiten des rapiden Wandels und der bodenlosen Möglichkeiten – im Zeitalter der Kontingenz. Woran orientieren, wenn jede Idee austauschbar, jede Festigkeit zur Illusion geworden ist? Es werden zwei konträre Umgangsweisen mit dieser umgreifenden Kontingenz erprobt, die ihren existenzphilosophischen
Anfang in der Endlichkeit des Menschen nehmen und sich als Einwilligung ins Zufällige – Marquard – oder als ironische Nutzung von Kontingenz – Rorty – übersetzen lassen. Den Zielpunkt bildet die praktische Philosophie der narrativen Authentizität, der es um den Einzelnen zu tun ist und die sich zur lebensweltlichen Entdeckung und Direktive kristallisiert: Wir alle können Geschichte schreiben – zumindest die unseres eigenen Lebens.


Exner, Maik (2025): Verkörperter Geist, materielle Kultur, musikalische Praxis. Enaktivistisch-philosophische Untersuchungen zur verkörperten Musik. Koblenz: OPUS.

In sowohl Kulturwissenschaften als auch Kognitionswissenschaften haben sich neuere Theorien etabliert, welche verstärkt die Verkörperung und Materialität unseres Denkens, Fühlens und Handelns betonen. Diese Dissertation untersucht aus der Perspektive der philosophischen Anthropologie, wie die ‚material culture studies‘ sowie die ‚embodied cognition‘-Forschungen zusammengedacht werden können. Im Fokus liegt hier der Phänomenbereich der Musik: Denn nicht nur spielen bei dieser eine Vielzahl von Gegenständen der materiellen Kultur eine zentrale Rolle (Instrumente, Tonträger, etc.), sondern auch der Körper des hörenden oder musizierenden Subjekts. Die philosophische Reflexion erfolgt hierbei vor allem aus der Perspektive des Enaktivismus, einer spezifischen Strömung der ‚embodied cognition‘, ergänzt durch Konzepte und Ansätze aus den Traditionen der Phänomenologie und des Pragmatismus. Diese wurden nicht nur herangezogen, um zusammen mit dem enaktivistischen Denken auf der Sachebene die verkörperte Natur der Musik darzustellen, sondern auch um die methodologische Problemstellung zu behandeln – nämlich die Frage danach, wie Kultur- und Kognitionswissenschaften bei der Beschreibung einer verkörperten Praxis aufeinander bezogen werden können.


Briese, Joschka (2025): Pragmatik der diskursiven Intentionalität. Intentionale Verben, Signifikanz und diskursive Rollen. (Special Issue: KODIKAS/CODE 45, 1–4). Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag

„Pragmatik der diskursiven Intentionalität. Intentionale Verben, Signifikanz und diskursive Rollen“ beschäftigt sich mit dem Begriff der Intentionalität als Grundlagenbegriff einer pragmatischen Sprachtheorie für eine Beschreibung der Semiotisierung von Verhalten als intentionales Handeln in diskursiven Praktiken.

Basierend auf den theoretischen Arbeiten von Charles S. Peirce und Robert B. Brandom argumentiert diese Monographie, dass der Zugang zu handlungstheoretischen Aspekten sozial-kommunikativer Praktiken durch eine semiotische Analyse alltäglichen Handlungsbeschreibungen gelingen kann. Dieser handlungsexplikative Ansatz setzt bei intentionalen Verben und ihren inferenziellen Aspekten an und verfolgt die Signifikanz und Signifikation sprachlicher Zeichen aus einer pragmatistischen Perspektive. Dass intentionale Verben als konstitutives Element der Emergenz diskursiver Intentionalität funktionieren, kann anhand der Rolle von Handlungskraft, kommunikative Rollen und diskursiven Normen in sozial-kommunikativen Praktiken dargelegt werden.


Articles

Fuchs, T./Jung, M./Schlette, M. (2025): Einer KI geht es um nichts. Bildung und
Verkörperung im digitalen Zeitalter. In: Zeitschrift für Kulturphilosophie 2025/1, 141-152.

Honnacker, A., Prugger, J., Rosendorfer, T., Meuche, A., Reder, M., & Apfelbacher, C. (2025): Adopting vulnerability and power-sensitive pluralism for a pragmatist turn in policy-advice. Impulses from a critical framework of public health. In: Critical Public Health, 35(1). https://doi.org/10.1080/09581596.2025.2516031

Honnacker, A. (2025): Religion und Öffentlichkeit. In: Schulz, Heiko / Wenzel, Knut / Wiese, Christian (Hg.): Handbuch Religionsphilosophie. Geschichte – Konzepte – Kontroversen, Stuttgart: J.B. Metzler, 773-785.

Kettner, M. (2025): Eight Notes on Power and Algorithms. In: Pause, Johannes / Purschke, Christoph / Baumann, Isabell Eva / Dembeck, Till / Mein, Georg (Hg.): The Humanities and the Rise of AI. Implications of Cultural and Societal Engineering, Esch-sur-Alzette: Melusina Press. https://www.melusinapress.lu/read/1981-5791-enop/section/c999d04c-dbee-40a3-b5b4-27ea98599ea2

Kramm, M. (2025): A Tale of Two (and More) Models of Rights of Nature. In: Environmental Ethics, 47(2) (21 p.).

Langner-Pitschmann, A. (2025): Religion und Macht. In: Schulz, Heiko / Wenzel, Knut / Wiese, Christian (Hg.): Handbuch Religionsphilosophie. Geschichte – Konzepte – Kontroversen, Stuttgart: J.B. Metzler, 763-771.

Schlette, M. & T. Viola (Hg.) (2025). „Symposium on Matthias Jung, Leben und Bedeutung (De Gruyter).“ In: European Journal of Pragmatism and American Philosophy XVII-2 2025. https://journals.openedition.org/ejpap/5254

Seibert, C. (2025): „Wandering, Crisis, and Loyalty Reflections on Royce“. In: Pragmatism Today Vol. 16, Issue 2, 2025, 45-53.


Interviews

Müller, M. (2025): „Machen statt meckern. Was wir vom Pragmatismus lernen können„, Interview über die Philosophie des Pragmatismus und Richard Rorty, In: Deutschlandfunk Kultur, 02. März 2025.