2010 and older

 

Books
Krämer, F. & Pape, H. (Ed.) (2010). William James. Der Sinn des Lebens. Darmstad: WBG.

In den hier versammelten Texten (teilweise zum ersten Mal ins Deutsche übertragen) geht William James verschiedenen Aspekten des Themas »Lebenssinn« nach. So stellt er u.a. die Frage, was menschliches Leben sinnvoll erscheinen lässt oder wie die Ethik zu einem sinnvollen Leben beitragen kann. Ethische Haltungen etwa können nur wirksam sein, wenn Menschen frei sind, sie zu befolgen, und wenn sie für ihr Wollen verantwortlich sind. In »Der Wille« spürt James den verschiedenen Bedeutungen nach, welche der Wille und seine Freiheit haben können. Eine Grenze menschlichen Lebenssinns ziehen Tod und Endlichkeit des Lebens. Doch ist damit zugleich der unüberschreitbare Rahmen für den menschlichen Geist festgelegt? In »Menschliche Unsterblichkeit« wirft James die auch heute noch wissenschaftlich nicht entscheidbare Frage auf, ob Geist unabhängig von Gehirnprozessen existieren kann.

Zoll, P. (2010). Ethik ohne Letztbegründung? Zu den nicht-fundamentalistischen Ansätzen von Alasdair MacIntyre und Jeffrey Stout . Würzburg: Königshausen & Neumann

Dieses Buch stellt mit Alasdair MacIntyres After virtue und Jeffrey Stouts Ethics after Babel zwei grundlegende Werke der anglo-amerikanischen Moralphilosophie vor. Beide Autoren behaupten, dass wir moralische Konfl ikte nicht lösen können, weil unsere liberale Gesellschaft von einem Ethikmodell ausgeht, das auf falschen erkenntnistheoretischen Voraussetzungen fußt. Der Fehler eines liberalen Ethikansatzes liegt ihrer Ansicht nach darin, dass er versucht, diese Konfl ikte durch eine Letztbegründung ethischer Prinzipien zu lösen. Im Gegensatz zu einem solchen „fundamentalistischen“ Modell der Ethikbegründung argumentieren Stout und MacIntyre, dass die Rechtfertigung von Normen vom jeweiligen sozialen und kulturellen Kontext abhängig ist. Sie weisen nach, dass dies aber nicht zu einem umfassenden Relativismus führen muss. Während MacIntyre davon ausgeht, dass eine derartige „nicht-fundamentalistische“ Ethikbegründung einen gleichzeitigen Bruch mit dem Liberalismus erfordert, zeigt Stout hingegen, dass eine kontextualistische Neubegründung der Moral gelingen kann, wenn man den Liberalismus selbst als moralische Tradition reinterpretiert. Nach einer Kritik an den „nicht-fundamentalistischen“ Ansätzen MacIntyres und Stouts wird am Ende des Buches dargestellt, dass sich ihre Schwächen durch eine Kombination korrigieren lassen.

Hampe, M. (Ed.) (2009). Allgemeine Zeitschrift für Philosophie: Schwerpunktheft John Dewey. Stuttgart: Frommann-Holzboog.

Alfred North Whitehead erklärte die Moderne in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum ›Zeitalter John Deweys‹. Mit seiner naturalistischen Metaphysik, Ästhetik, Wissenschaftstheorie, Theorie der Öffentlichkeit, Ethik, Religionsphilosophie und Pädagogik übte der in breiten Schichten wahrgenommene Intellektuelle einen enormen Einfluss nicht nur auf das amerikanische Denken aus. In einer Zeit der spezialisierten akademischen Philosophie, die nur schwer den Weg in die Öffentlichkeit findet und sich kaum noch umfassende Entwürfe zutraut, ist zu seinem 150. Geburtstag an Dewey als einen Philosophen zu erinnern, der ausgehend von einem weiten Begriff der Erfahrung das ganze Feld der Philosophie abgeschritten hat und als ein politischer und moralischer Kopf viele Debatten in der Öffentlichkeit anstieß.

Jung, M. (2009). Der bewusste Ausdruck. Anthropologie der Artikulation. Berlin: de Gruyter.

Menschen sind artikulierende Wesen: Unsere Lebensform ist davon bestimmt auszudrücken, was sich uns im Erleben und Verhalten als bedeutungsvoll aufdrängt. In diesem Buch geht es darum, aus dieser Einsicht eine integrative Anthropologie zu entwickeln, die sowohl der Einzigartigkeit unserer Lebensform als auch dem evolutionären Zusammenhang gerecht wird, in dem wir stehen. Daraus ergeben sich wichtige Konsequenzen für das Verständnis von Körperlichkeit, Handeln, Sprache, Bewusstsein und Moral.

Hetzel, A. & Kertscher, J. & Rölli, M. (2008). Pragmatismus. Philosophie der Zukunft?. Weilerswist: Velbrück

Von klassischen Positionen des Pragmatismus ausgehend, suchen sie nach Wegen, das Feld des Praktischen unter Vermeidung subjekt- und handlungstheoretischer Vokabulare zu beschreiben. Praxis erscheint dann nicht länger als abhängig von und bedingt durch die mental verankerten Intentionen eines Subjekts. Ein so detranszendentalisiertes Modell von Praxis bringt diese in die Nähe von Begriffen wie Wirksamkeit, Prozess, Dispositiv und Ereignis. Die Frage nach der Freiheit verschiebt sich in dieser Perspektive zur Frage nach Kontingenz, Diskontinuität und Neuheit; Subjekte sind dann dem Strom des Bewusstseins, der Kette der Zeichen und der Abfolge von Ereignissen nicht in einem transzendentalen Sinne vorgeordnet, sondern jeweils in sie eingeschrieben.

Salaverría, H. (2007). Spielräume des Selbst. Pragmatismus und kreatives Handeln. Berlin: Akademie Verlag

Wie kann das Selbst Spielräume kreativen Handelns entwickeln? In der Tradition der Philosophie des Pragmatismus schlägt die Autorin vor, dabei vom Alltagsdenken, von der Gewohnheit, von den Zweifeln des je besonderen Standpunktes auszugehen. Mehr noch, das Selbst kann sich sogar erst in der Berücksichtigung des Alltäglichen, des Common Sense, kritisch verorten. Überzeugungen sind nicht nur Einstellungen, sondern werden auch handelnd in Gewohnheiten verkörpert. Zu fragen ist daher nicht, was der Körper ist, sondern vielmehr, was der Leibkörper tut. Kreativität und Gewohnheit schließen sich nicht aus, im Gegenteil: Spielräume eröffnen sich in der Erkundung des naheliegenden Unbekannten, nicht im Erträumen unerreichbarer Ideale. Durch den Zweifel gewinnt das scheinbar Selbstverständliche des Alltäglichen Kontur. Wichtig für die Entfaltung von Handlungsspielräumen ist zudem die Kultivierung des Gemeinsinns, des Sensus Communis: eine zwanglos-ästhetische Übereinstimmung mit Anderen, in denen die Orte des Selbst nicht verloren gehen, sondern für Andere exemplarisch werden können.

Hampe, M. (2006). Erkenntnis und Praxis – Zur Philosophie des Pragmatismus. Berlin: Suhrkamp.

Welche Relevanz hat Philosophie für das Leben? Mit seiner Forderung, dass jede begriffliche Unterscheidung auf eine Differenz im menschlichen Wahrnehmen und Handeln bezogen sein solle, hat der Pragmatismus wie kaum eine andere philosophische Strömung diese Frage ernst genommen. Als kritische Philosophie muss sich der Pragmatismus gleichwohl und gleichermaßen von Terminologien der Wissenschaften und von Alltagsüberzeugungen distanzieren können. Doch in welcher Sprache ist eine Kritik szientistischen und alltäglichen Denkens zu formulieren? Dies ist nur einer fremden Sprache möglich. Die Neopragmatisten haben spekulative Aspekte fremder philosophischer Sprechweisen ausgeblendet und dadurch das kritische Potential dieses Denkens vernachlässigt. Die in diesem Band versammelten Abhandlungen, die das ganze Spektrum pragmatistischen Denkens abdecken, sollen nicht zuletzt dieser einseitigen Rezeption des Pragmatismus entgegenwirken.
Krämer, F. (2006). Erfahrungsvielfalt und Wirklichkeit. Zu William James’ Realitätsverständnis . Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Pape, H. (2004). Demokratie als Erfahrung: Peirce. Zur Einführung. Wiesbaden: Westdt.-Verl.

Diese Einführung rekonstruiert die Philosophie Charles Sanders Peirces‘ (1839-1914) anhand des systematischen Zusammenhangs seines Denkens. Als Leitfaden dient dabei die These, dass Geist ein Prozess ist, der durch seine mathematischen und logischen Eigenschaften auch Wirklichkeit schlechthin charakterisiert: Peirce ist ein objektiver Idealist, der Logik realistisch interpretiert. Als logischer Prozess ist Geist über seine relationalen Eigenschaften fassbar. Daraus entwickelt sich die relationenlogische Auffassung der Erkenntnis: Die Ordnung des Relationalen begründet Erfahrung. Der Pragmatismus erweist sich als Methodologie und die Semiotik als Darstellungstheorie, in die sich die These vom Geist als logischem Prozess umsetzen.

Hartmann, M. (2003). Die Kreativität der Gewohnheit: Grundzüge einer pragmatistischen Demokratietheorie. Frankfurt am Main: Campus Verlag.

Basierend auf den Grundgedanken des Pragmatismus, insbesondere John Deweys, werden die Bedingungen demokratischen Handelns untersucht. Im Mittelpunkt der Analyse stehen Kategorien wie Gewohnheit, Erfahrung und Vertrauen. Ziel ist es, durch eine psychologisch reichhaltigere Beschreibung demokratischer Akteure und ihrer Handlungsbedingungen die Verengung der Demokratietheorie auf den Aspekt des Diskurses zu überwinden.

Jörke, D. (2003). Demokratie als Erfahrung: John Dewey und die politische Philosophie der Gegenwart. Wiesbaden: Westdt.-Verl.

Im Zentrum des Buches von Dirk Jörke steht der enge Zusammenhang von Philosophie und Demokratie bei John Dewey. Der Autor skizziert dabei zwei zentrale Thesen. Die erste These besagt, dass sich dann eine neue und bessere Lesart des Gesamtwerkes von Dewey ergibt, wenn man den Begriff der ‚Erfahrung‘ in das Zentrum der Werkinterpretation stellt. Die zweite These knüpft hieran an und demonstriert die besondere Produktivität dieser Lesart für die demokratietheoretische Diskussion. In Auseinandersetzung mit den Hauptsträngen der gegenwärtigen politischen Theorie wie Liberalismus, Kommunitarismus und deliberative Demokratie wird die Aktualität und partielle Überlegenheit von Deweys Demokratietheorie aufgezeigt
Pape, H. (Ed.) (2002). C.S. Peirce. Das Denken und die Logik des Universums. Frankfurt: Suhrkamp.
Pape, H. (2002). Der dramatische Reichtum der konkreten Welt. Der Ursprung des Pragmatismus im Denken von William James und Charles S. Peirce, Weilerswist: Velbrück 2002.
Pape, H. (Ed.) (1998). Deutschen Zeitschrift für Philosophie: Schwerpunktheft. Die Einheit von Pragmatismus und Metaphysik: Die Philosophie von Charles S. Peirce. Berlin: de Gruyter

Pape, H. (Ed.) (1994). Kreativität und Logik. C.S. Peirce und das Problem einer Philosophie des Neuen, Frankfurt: Suhrkamp.

In Peirces logischem Idealismus ist Kreativität Ausdruck der höchsten, integrativen Funktion geistiger Aktivität, die deren logische Seite allererst wirksam werden läßt. Am Anfang des Bandes steht ein ausführlicher, in das Thema einführender Essay des Herausgebers, der den Zusammenhang zwischen den behandelten Problemen der Kreativität, Emergenz und Logik herstellt, Voraussetzungen der Beiträge darlegt und systematische Perspektiven aufweist. In sechzehn Beiträgen zur Logik, Wissenschafts- und Bewußtseinstheorie wird dann das Spannungsverhältnis zwischen der Erfahrung spontaner kreativer Prozesse und der planvollen Konstruktion formaler Systeme der Logik und Semiotik erörtert. Dabei erfahren die weithin unverstandenen formallogischen Bereiche der Peirceschen Philosophie den größten Zugewinn an Aufklärung.

Kloessel, C. & Pape, H. (Ed.) (1986-1993). Charles S. Peirce: Semiotische Schriften, Band 1-3, Frankfurt: Suhrkamp.

Mit dieser dreibändigen Taschenbuchausgabe werden die maßgeblichen Texte eines Klassikers der Zeichentheorie neu zugänglich gemacht. Die von Charles Sanders Peirce entwickelte philosophische Semiotik tritt nicht nur an die Stelle der Erkenntnistheorie; sie bildet vielmehr die Grundlage eines philosophischen Systems, das eine umfassende Synthese der großen philosophischen Traditionen der Antike, des Mittelalters, des deutschen Idealismus und der Logik in einer Theorie aller Darstellungsformen unternimmt. Die dreibändige Ausgabe der Semiotischen Schriften bietet einen Überblick über die gesamte Entwicklung der Peirceschen Semiotik von 1859 bis 1912.

Pape, H. (1989). Erfahrung und Wirklichkeit als Zeichenprozeß. Charles S. Peirces Entwurf einer spekulativen Grammatik des Seins, Frankfurt: Suhrkamp

Der Argumentationsweg dieses Buches führt den Leser zunächst zu den Ursprüngen der Peirceschen Philosophie, die in einem Umbau von Kants »Kritik der reinen Vernunft« zu einer »Semiotik der reinen Vernunft« gefunden werden, die ohne eine transzendentales Subjekt, das der Vernunft vorausliegt, auskommen kann. Durch den Dschungel der nur schwer zugänglichen, weitgehend unpublizierten Schriften von Peirce und seine Ansätze zu Verbindung von Ontologie und Semiotik in einer Theorie der Erfahrung führt der Weg zu einer allgemeinen Theorie der Zeichenprozesse, die an die Stelle der Erkenntnistheorie treten soll. Die Fähigkeit zur Interpretation des einzelnen, situierten Zeichen, so zeigt dieser erste Teil, ist die Erfahrung des Allgemeinen im Besonderen: Universalien sind wahrnehmbar. Mit diesem Schritt ist der Weg gebahnt für den Aufstieg in die schwierigen Höhen der späten Semiotik, der phänomenologischen Ontologie der Zeichen – der zweite Teil des Buches.

Pape, H. (Ed.) (1988). C. S. Peirce: Naturordnung und Zeichenprozeß. Schriften über Semiotik und Naturphilosophie, Frankfurt: Suhrkamp.

Charles S. Peirce (1839-1914) war der einzige Philosoph des 19. Jahrhunderts, dessen Metaphysik der Natur gleich in dreierlei Hinsicht eine radikale Neubegründung der Naturphilosophie versucht, die der vorliegende Band dokumentiert: 1. Metaphysischer Evolutionismus, 2. Objektivität des Zufalls, 3. das Semiotisch-anthropische Prinzip

Pape, H. (Ed.) (1983). C. S. Peirce: Phänomen und Logik der Zeichen, Frankfurt: Suhrkamp.

Dieser Band ist eine Übersetzung von Peirces Syllabus of Certain Topics of Logic, eines in weiten Teilen bisher auch im Englischen noch nicht veröffentlichten Manuskriptes. Der Titel Syllabus hat ausschließlich die von ihm dort als »spekulative Grammatik« oder auch »Physiologie der Formen« bezeichnete allgemeine Zeichentheorie zum Gegenstand.

Articles (2010 & 2009)

Jung, M. (2010). John Dewey on Action. In:  Cochran, M. (Ed.). The Cambridge Companion to Dewey. Cambrigde: Cambrigde University Press.

Leypoldt, G. (2010). Neo-Pragmatism and the Turn to Religion. In: Haselstein, Ulla & Gross, A. & Snyder-Körber, M. (Ed.). The Pathos of Authenticity: American Passions of the Real. Heidelberg: Winter, 233-49.

Salaverría, H. (2010). Gesellschaft aus dem Takt? Rhythmen des Alltags. Radiofeature, SWR2.

Hartmann, M. (2009). Vertiefung der Erfahrung: John Dewey in der deutschsprachigen Rezeption. Allgemeine Zeitschrift für Philosophie, 34 (3), 415–440.

Hetzel, A. (2009). Subjektlose Erfahrung. John Deweys holistische Ästhetik.  Allgemeine Zeitschrift für Philosophie, 34(3), 375-393.

Jung, M. (2009). Handlung, Erleben, Mitteilung.  Bewusstseins als Interaktionsphase. In: Funktionen des Erlebens. Neue Perspektiven des qualitativen Bewusstseins.  Berlin: de Gruyter.

Pape, H. (2009). Deweys Situation. Gescheitertes Handeln, gelingendes Erkennen und das gute Leben. In: Hampe, H. (2009) (Ed.). Allgemeine Zeitschrift für Philosophie. Schwerpunkt: John Dewey, 34(3),  331 – 352.